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Transformation im Mittelstand: wann ein Umbau nötig ist und wann Nachsteuern reicht

Jede zweite Dauerbaustelle in mittelständischen Unternehmen war ursprünglich eine Transformation. Woran du erkennst, welche Art von Veränderung vor dir liegt, und was das für Tempo und Beteiligung heißt.

Von Christian Underwood ·

Eine niedrige Mauer aus gleichen Bloecken, ein Abschnitt daraus neu und anders geformt und hervorgehoben, daneben ein offener Rahmen.
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Woran erkennst du, dass ein Umbau nötig ist?
  2. Was unterscheidet Nachsteuern von einem Umbau?
  3. Welche Phasen hat ein Umbau, der funktioniert?
  4. Wer treibt den Umbau im Alltag?
  5. Wie hältst du die Organisation dabei?
  6. Woran misst du, dass der Umbau vorankommt?
  7. Häufige Fragen zur Transformation

Woran erkennst du, dass ein Umbau nötig ist?

An einer einzigen Prüfung: Verdient euer Geschäft in fünf Jahren noch Geld, wenn der Markt sich so weiterentwickelt, wie es heute erkennbar ist. Fällt die Antwort ehrlich mit Nein aus, steht ein Umbau an. Fällt sie mit Ja aus, aber mit schlechteren Zahlen, dann ist Nachsteuern die Aufgabe.

Diese Prüfung ist unbequem, weil sie eine Aussage über den Markt verlangt statt über die eigene Leistung. Drei Signale sprechen für einen Umbau:

  • Der Kunde kauft etwas anderes. Nicht weniger, sondern anderes. Wer Anlagen verkauft, deren Käufer künftig Betriebszeit statt Maschinen einkaufen, hat kein Vertriebsproblem. Er hat ein anderes Geschäft vor sich.
  • Die Leistung wird anders erbracht. Wenn ein Teil der Wertschöpfung durch Software, Regulierung oder eine neue Fertigungsart ersetzbar wird, verschiebt sich der Anteil, den ihr am Ende verdient.
  • Der Wettbewerb kommt aus einer anderen Richtung. Ein neuer Anbieter, der euer Geschäft als Nebenprodukt betreibt, rechnet anders als ihr. Preisdruck aus dieser Richtung lässt sich nicht durch Effizienz beantworten.

Fehlt jedes dieser Signale, ist ein Umbau der teuerste Weg, ein Ertragsproblem zu bearbeiten.

Die Prüfung lässt sich mit Zahlen unterlegen, statt sie in der Runde zu diskutieren. Nimm die drei größten Produktgruppen und rechne für jede einen Verlauf über fünf Jahre: Menge, Preis und Deckungsbeitrag unter der Annahme, dass die erkennbare Entwicklung anhält. Wenn zwei von drei Gruppen dabei unter die Schwelle fallen, an der sie ihre Fixkosten tragen, ist die Frage beantwortet. Diese Rechnung braucht einen Nachmittag und verhindert die Diskussion darüber, ob es wirklich so ernst ist.

Was unterscheidet Nachsteuern von einem Umbau?

Der Umfang der Entscheidungen und damit die Menge an Aufmerksamkeit, die gebunden wird.

Merkmal

Nachsteuern

Umbau

Was sich ändert

Prioritäten, Preise, Prozesse, einzelne Produkte

Kundenzugang, Leistungsversprechen oder die Art, wie Geld verdient wird

Dauer

ein bis vier Quartale

zwei bis fünf Jahre, in Phasen

Wer beteiligt ist

die betroffenen Bereiche

die gesamte Führung, dazu ein eigenes Team für das Neue

Woran es scheitert

an Kapazität

an Aufmerksamkeit und daran, dass das Alte weiter Geld verdient

Was es kostet, wenn es falsch eingeschätzt wird

verlorene Quartale

verlorene Jahre und die Leute, die den Wandel getragen hätten

Die letzte Zeile erklärt, warum die Einschätzung wichtiger ist als das Vorgehen. Ein Umbau, der keiner sein musste, verbrennt Vertrauen. Ein Nachsteuern in einer Lage, die einen Umbau verlangt, verschiebt das Problem in eine Zeit, in der weniger Mittel dafür da sind.

Welche Phasen hat ein Umbau, der funktioniert?

Drei, die nur an den Rändern überlappen. Die häufigste Abkürzung ist der Sprung von der ersten in die dritte.

  • Klären. Was trägt in fünf Jahren, was nicht, und welche Fähigkeiten fehlen dafür. Diese Phase endet mit einer entschiedenen Richtung, nicht mit einem Maßnahmenplan. Drei bis sechs Monate.
  • Aufbauen, während das Alte läuft. Das Neue bekommt eigene Leute, eigenes Budget und eigene Kennzahlen. Es wird nicht an den Zahlen des Kerngeschäfts gemessen, sonst verliert es jeden Vergleich. Ein bis drei Jahre.
  • Umschalten. Das Neue wird zum Regelgeschäft, das Alte wird abgeschmolzen oder verkauft. Diese Phase braucht die härtesten Entscheidungen und wird am liebsten verschoben.

Zwischen Phase zwei und drei sitzt der Punkt, an dem die meisten Umbauten hängenbleiben. Das Neue existiert, es verdient noch nicht genug und das Alte finanziert es weiter. Solange niemand ein Datum für das Umschalten setzt, bleibt dieser Zustand stabil und kostet jedes Jahr Geld.

Wer treibt den Umbau im Alltag?

Eine Person aus der Geschäftsführung, die dafür Zeit freigeräumt bekommt. Nicht ein Projektleiter mit einer Lenkungsgruppe, und nicht die Geschäftsführung insgesamt.

Der Unterschied ist praktisch. Ein Umbau erzeugt wöchentlich Entscheidungen, die gegen bestehende Zuständigkeiten laufen: Ein Vertriebsgebiet wird anders zugeschnitten, ein Preis wird anders kalkuliert, eine Ressource geht ins Neue statt in den Bestand. Solche Entscheidungen fällt jemand mit Mandat oder niemand.

Dazu gehört eine Entlastung, die aufgeschrieben ist. Wer den Umbau verantwortet und daneben unverändert seinen Bereich führt, wird den Bereich führen. Das ist keine Charakterfrage. Es ist eine Frage der Reihenfolge im Kalender. In der Praxis heißt das: Zwei Tage pro Woche stehen fest, ein Stellvertreter übernimmt das Tagesgeschäft und beides wird im Führungskreis benannt.

Wie hältst du die Organisation dabei?

Indem du sagst, was bleibt. In Veränderungsphasen wird viel über das Neue gesprochen und fast nichts über das Bestehende, und genau daraus entsteht Unruhe.

Drei Aussagen helfen mehr als jede Präsentation: Welche Teile des Geschäfts weiterlaufen, welche Standorte und Rollen nicht zur Diskussion stehen, und wann die nächste Information kommt. Der dritte Punkt ist der wirksamste. Ein fester Termin nimmt Gerüchten die Grundlage, auch wenn dort einmal nichts Neues zu berichten ist.

Widerstand ist dabei Information, kein Störgeräusch. Wer im Vertrieb seit zwanzig Jahren dieselben Kunden betreut und sagt, das neue Angebot passe dort nicht, hat oft eine belegbare Beobachtung. Sie gehört geprüft, statt als Beharren abgetan zu werden. Nach der Prüfung fällt die Entscheidung trotzdem, aber sie ist besser begründet und die Person bleibt an Bord.

Woran misst du, dass der Umbau vorankommt?

An Größen, die vor dem Umsatz sichtbar werden. Umsatz aus dem Neuen kommt spät, und bis dahin braucht die Führung etwas, woran sie erkennt, ob es läuft.

Brauchbar sind drei Zahlen. Wie viele Kunden das neue Angebot ernsthaft geprüft haben, also mit einem eigenen Termin und einer Frage nach Preis oder Termin. Wie viele Leute im Unternehmen am Neuen arbeiten und wie viel ihrer Zeit tatsächlich dort liegt. Und welcher Anteil der Investitionen in das Neue geht, denn das Budget zeigt die wahre Priorität deutlicher als jede Erklärung.

Wenn diese drei Zahlen über zwei Quartale flach bleiben, läuft der Umbau nicht, unabhängig davon, wie viele Workshops stattgefunden haben. Das ist der Zeitpunkt für eine Entscheidung über Mandat, Budget und Zeit, nicht für einen weiteren Workshop.

Wer einen Beirat, eine Bank oder Gesellschafter außerhalb der Geschäftsführung hat, berichtet diese drei Zahlen dorthin mit. Das klingt nach Aufwand und wirkt in beide Richtungen: Die Runde bekommt eine Frage, die sie stellen kann, und die Geschäftsführung bekommt einen Termin, an dem Stillstand sichtbar wird. Ein Umbau ohne solche Außensicht verliert nach etwa einem Jahr seine Dringlichkeit, weil im Haus alle den langsamen Fortschritt gewöhnt sind.

Häufige Fragen zur Transformation

Was ist eine Transformation im Unternehmen?

Eine Veränderung, die das Geschäftsmodell selbst betrifft: den Kundenzugang, das Leistungsversprechen oder die Art, wie Geld verdient wird. Ändern sich nur Prozesse, Preise oder Prioritäten, ist es Nachsteuern und braucht keinen Umbau.

Wie lange dauert eine Transformation im Mittelstand?

Zwei bis fünf Jahre in drei Phasen: klären, aufbauen, umschalten. Die Klärung braucht drei bis sechs Monate, der Aufbau ein bis drei Jahre. Am längsten liegt meist die letzte Phase, weil das Umschalten die härtesten Entscheidungen verlangt.

Warum scheitern Transformationen?

Weil das Tagesgeschäft dieselben Leute braucht, die den Umbau tragen sollen, und weil für das Umschalten kein Datum gesetzt wird. Beide Ursachen sind Entscheidungen der Geschäftsführung, keine Frage der Methode.

Wer sollte eine Transformation leiten?

Eine Person aus der Geschäftsführung mit freigeräumter Zeit und einem Stellvertreter für das Tagesgeschäft. Ein Projektleiter ohne Mandat kann die wöchentlichen Entscheidungen gegen bestehende Zuständigkeiten nicht fällen.

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