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Episode 11518.12.2025

Warum 99 % der Unternehmen KI völlig falsch einsetzen

Transformation mit Substanz: Warum Strategie, Organisation und KI jetzt neu gedacht werden müssen

Unternehmen stehen heute vor einer Gemengelage aus Herausforderungen, die klassische Ansätze oft nicht mehr bewältigen können. In der neuen Podcastfolge von „Hoffnung ist keine Strategie“ spricht Christian Underwood mit Martin Orthen, der seit vielen Jahren Unternehmen durch große IT- und Transformationsprogramme begleitet. Sein Befund ist klar: Die Art und Weise, wie Transformation gedacht und umgesetzt wird, ist in vielen Organisationen nicht mehr zeitgemäß.

Kostensenkung ohne Zielbild? Ein strategischer Fehler

Viele Unternehmen befinden sich aktuell im Sparmodus. Budgets schrumpfen, Personalabbau wird zum Standardinstrument. Doch dabei wird ein entscheidender Punkt oft übersehen: Kostensenkung ist kein Selbstzweck – sie braucht ein strategisches Zielbild. Wenn Unternehmen zuerst Stellen streichen und erst danach über Organisation, Rollen und Prozesse nachdenken, entsteht ein strukturelles Vakuum. Kontaktpunkte verschwinden, Wissen geht verloren, Prozesse werden dysfunktional. Genau dort beginnen Transformationsrisiken, die später teuer behoben werden müssen.
Oder, wie Martin es formuliert: „Wir denken Kostensenkung zu kurz – statt zu fragen, wie viel Euro kann ich sparen, sollten wir fragen, wie muss meine Organisation am Ende des Prozesses aussehen?“

Die unterschätzte Rolle der Menschen in Transformationsprojekten

Ob SAP-Einführung, Sicherheitsprogramm oder Prozessumbau: Komplexität ist für viele Teams das eigentliche Problem. Und je komplexer das Projekt, desto höher die Anforderungen an Kommunikation, Befähigung und Vertrauen. Martin Orthen betont, dass digitale Transformation immer ein People Business bleibt. Technisches Know-how ist austauschbar – der Umgang mit Menschen, Ängsten und Widerständen nicht. Gerade in angespannten Kostensituationen wächst die Unsicherheit in Organisationen. Mitarbeitende fragen sich, ob KI oder neue Tools ihren Job gefährden. Diese Ängste ernst zu nehmen und aktiv zu adressieren, ist ein zentraler Erfolgsfaktor.

KI im Mittelstand: große Erwartungen, kleine Schritte

Während auf LinkedIn alle bereits KI-Champions zu sein scheinen, zeigt die Erfahrung ein anderes Bild: Viele Unternehmen nutzen KI nur im Kleinen – für Texte, E-Mails, kleine Aufgaben. Was fehlt, ist ein struktureller, wertschöpfungsorientierter Ansatz. Prozesse, die bisher Wochen oder Monate dauern – etwa Produktentwicklungen – könnten mit generativer KI dramatisch beschleunigt werden. Doch die Bereitschaft, diese Potenziale systematisch zu erschließen, ist oft gering.

Dafür gibt es zwei Gründe: Es fehlt an Fähigkeiten – Organisationen müssen lernen, wie KI wirklich funktioniert. Es fehlt an Haltung – ohne strategische Offenheit im Top-Management bewegen sich Unternehmen nicht aus ihrer Komfortzone.

Navar: KI für die ersten kritischen Schritte der Transformation

Im Gespräch stellt Martin Orthen auch die von seinem Team entwickelte Lösung Navar vor. Die Idee: Viele Transformationsprojekte verschwenden in der Anfangsphase enorme Mengen Zeit damit, Probleme zu definieren, Risiken zu bewerten und Struktur in unklare Aufgabenstellungen zu bringen. Navar übernimmt diese ersten Schritte – und zwar KI-basiert. Durch ein strukturiertes Frage- und Sparringssystem bekommt man innerhalb kürzester Zeit eine fundierte Bewertung, welche Probleme vorliegen, welche Risiken bestehen und welche Schritte nötig sind. Das spart nicht nur Tage oder Wochen, sondern schafft Augenhöhe zwischen Beratern und Unternehmen – und reduziert zugleich Wissensmonopole. Langfristig soll Navar sogar informelle Wissenswege in Organisationen sichtbar machen, Risiken in Übergaben erkennen und die gesamte Programmlogik von Transformationsprojekten unterstützen. 

Zusammenarbeit wird persönlicher – nicht technischer

Spannend ist auch Martin Orthens Einschätzung, wie sich das Verhältnis zwischen Unternehmen und Beratern verändert. KI wird Teile klassischer Beratungsarbeit übernehmen – Recherchen, Analysen, Strukturierung. Doch Vertrauen, Beziehung und gemeinsame Reflexion bleiben menschlich. Und intern? Auch hier wird Zusammenarbeit intensiver, nicht oberflächlicher. Mitarbeitende werden stärker befähigt, sich einzubringen, Risiken zu erkennen und mitzugestalten. KI ersetzt nicht die Menschen – sie verlangt, dass Menschen mehr Verantwortung übernehmen.

Was Führungskräfte jetzt tun müssen

Für Martin Orthen beginnt erfolgreiche Transformation nicht mit Tools, sondern mit Haltung. Unternehmen müssen offen über KI sprechen und die Ängste ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen. Gleichzeitig geht es darum, Menschen zu befähigen, statt ihnen lediglich Lizenzen zur Verfügung zu stellen. Bevor Effizienzprogramme gestartet werden, braucht es strategische Klarheit – ein Zielbild, das Orientierung gibt. Darüber hinaus sollten Organisation und Fähigkeiten als zentrale Hebel verstanden werden, die über den Erfolg von Veränderung entscheiden. Und nicht zuletzt bedeutet verantwortungsvolle Führung, gerade in Zeiten des Kostendrucks bewusst zu investieren, anstatt reflexartig zu sparen und damit langfristige Chancen zu verspielen.

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SHOWNOTES

Martin Orthen https://www.linkedin.com/in/morthen/ 

Navar AI https://www.navar.ai/

Christian Underwood https://www.linkedin.com/in/christianunderwood/

StrategySummit 2026 https://www.strategyframe.ai/strategysummit2026

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