
Führung in Krisenzeiten: Warum Zahlen allein nicht helfen
Unternehmertum über Generationen: Warum Zuhören, Intuition und Menschen über Zukunft entscheiden.
Was braucht es, um ein Unternehmen nicht nur durch gute Zeiten, sondern auch durch Krisen, Strukturbrüche und technologische Umwälzungen zu führen? In der aktuellen Folge von „Hoffnung ist keine Strategie“ spricht Christian Underwood mit Gerd Röders, Inhaber der G.A. Röders GmbH & Co. KG und Präsident der WVMetalle, über genau diese Frage – aus der Perspektive eines Familienunternehmers in sechster Generation. Ausgangspunkt des Gesprächs ist ein persönlicher Brief, den Gerd Röders an die nächste Generation geschrieben hat. Kein Leitfaden aus dem Lehrbuch, sondern eine verdichtete Essenz aus über 30 Jahren unternehmerischer Verantwortung und mehr als 200 Jahren Unternehmensgeschichte.
Führung ist mehr als Rechnen
„Eine Firma zu führen scheint zunächst einfach: Die Einnahmen müssen höher sein als die Ausgaben.“ Aber der Weg dorthin ist komplex – und selten rein rational. Gerd Röders beschreibt eindrücklich, wie er selbst lernen musste, dass Führung nicht primär aus Zahlen besteht, sondern aus dem Verstehen von Menschen, Situationen und Zusammenhängen. Zahlen sind notwendig, aber sie sind nicht der Kern von Führung. Wer nur spart, investiert nicht in die Zukunft. Wer nur optimiert, verliert die Fähigkeit zur Erneuerung. Gute Führung entsteht dort, wo wirtschaftliche Vernunft und menschliche Wahrnehmung zusammenkommen.
Zuhören als unterschätzte Führungsdisziplin
Ein zentrales Motiv der Episode: Zuhören ist aktiver als Reden. Gerade Menschen in Verantwortung sind permanent „auf Sendung“. Von ihnen wird erwartet, zu entscheiden, voranzugehen, Antworten zu liefern. Doch genau das kann den Blick verstellen. Gerd Röders beschreibt Zuhören als bewusste Haltung: innehalten, beobachten, nicht sofort bewerten. Wirklich zu verstehen, was Mitarbeitende, Kunden oder Partner bewegt – auch dann, wenn es unbequem wird. Denn oft liegt die eigentliche Information nicht im Gesagten, sondern im Gemeinten.
Intuition ist kein Bauchgefühl
In einer Zeit von Daten, KPIs und KI wirkt Intuition für viele verdächtig unpräzise. Für Gerd Röders ist sie das Gegenteil: Intuition ist verdichtete Erfahrung. Sie entsteht aus drei Komponenten: langjähriger Praxis, bewusster Reflexion und der Fähigkeit, still zu werden und genau hinzuschauen. Wer sofort reagiert, übersieht oft die bessere Lösung. Wer beobachtet, zuhört und nachdenkt, entscheidet am Ende klarer – auch wenn es sich „intuitiv“ anfühlt.
Mittelstand in der Krise – und warum es trotzdem Chancen gibt
Als Präsident der WV Metalle spricht Gerd Röders nicht nur für sein eigenes Unternehmen, sondern für einen ganzen Industriezweig. Regulierung, Energiepreise, Bürokratie, geopolitische Unsicherheit – die Herausforderungen sind real. Doch die Schlussfolgerung ist keine Resignation. Jede Generation des Unternehmens musste sich neu erfinden: vom Zinnguss über Armaturen bis hin zu hochkomplexen Aluminiumdruckguss- und Kunststofflösungen. Der entscheidende Standortfaktor dabei war nie die Technik allein, sondern die Menschen. Qualifikation, Kreativität, Neugier und Vielfalt sind die eigentliche Ressource – damals wie heute.
Menschen vor Maschinen
Ein Satz aus dem Brief bringt es auf den Punkt: „Es lohnt sich oft mehr, in Menschen zu investieren als in Maschinen.“ Maschinen sind Werkzeuge. Technologien – auch KI – entfalten ihren Wert nur dann, wenn Menschen die Prozesse verstehen, hinterfragen und gestalten. Wer glaubt, Probleme ließen sich automatisiert lösen, verlernt das Denken. Zukunft entsteht nicht durch Knopfdruck, sondern durch Verständnis.
Nachfolge heißt: Haltung weitergeben
Für Gerd Röders ist Nachfolge kein technischer Übergang, sondern eine kulturelle Aufgabe. Es geht nicht darum, Strukturen zu konservieren, sondern Haltung, Neugier und Verantwortungsbewusstsein weiterzugeben. Dinge, die nicht mehr funktionieren, müssen sterben dürfen – ohne die eigene Bedeutung infrage zu stellen. Unternehmen brauchen einen Sinn jenseits von Gewinn: für Mitarbeitende, für Familien, für Regionen und Gesellschaft. Ohne Wirkung sind alle Zahlen wertlos.
Für wen diese Episode besonders relevant ist
Diese Folge richtet sich an Unternehmer:innen, Nachfolger:innen und Führungskräfte, die spüren, dass reine Effizienz und Optimierung nicht ausreichen. Sie zeigt, warum Zukunftsfähigkeit aus Zuhören, Intuition, Menschlichkeit und dem Mut zur Veränderung entsteht.
SHOWNOTES
Gerd Röders https://www.linkedin.com/in/gerd-roeders-7a795b204/
Christian Underwood https://www.linkedin.com/in/christianunderwood/
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