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Unternehmensstrategie entwickeln: Sieben Schritte mit Beispielen aus dem Mittelstand

Sieben Schritte von der Ausgangslage bis zur Verankerung im Budget. Mit Beispielen aus dem Mittelstand statt mit Definitionen aus dem Lehrbuch.

Von Christian Underwood ·

Ein grosser flach liegender Rahmen, darin drei kleinere versetzt angeordnet; einer davon ist hervorgehoben.
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Was ist eine Unternehmensstrategie und was ist sie nicht?
  2. Welche sieben Schritte führen zur Strategie?
  3. Wie sieht das bei einem Familienunternehmen konkret aus?
  4. Woran erkennst du eine Strategie, die nichts ausschließt?
  5. Wie hängt die Unternehmensstrategie mit den Bereichen zusammen?
  6. Wie wird sie im Budget verankert?
  7. Häufige Fragen zur Unternehmensstrategie

Was ist eine Unternehmensstrategie und was ist sie nicht?

Eine Unternehmensstrategie beantwortet drei Fragen: Wo verdient das Unternehmen in fünf Jahren sein Geld, was lässt es dafür, und woran erkennt es unterwegs, ob es funktioniert.

Was sie nicht ist: eine Sammlung von Zielen. „Umsatz verdoppeln, Marktführer werden, Digitalisierung vorantreiben“ ist eine Wunschliste. Eine Strategie entsteht erst, wenn dabei steht, womit und auf wessen Kosten.

Und sie ist nicht dasselbe wie das Leitbild. Ein Leitbild sagt, wofür ihr steht, und ändert sich selten. Eine Strategie sagt, was ihr in den nächsten Jahren tut, und hat ein Verfallsdatum.

Welche sieben Schritte führen zur Strategie?

Die Reihenfolge ist wichtiger als die Vollständigkeit. Wer bei Schritt vier anfängt, weil die Idee schon da ist, holt die ersten drei später teuer nach.

Schritt

Was dabei entsteht

1 · Ausgangslage

Eine ehrliche Antwort darauf, woran ihr heute wirklich verdient — nicht nach Umsatz, sondern nach Deckungsbeitrag.

2 · Umfeld

Wie sich Markt, Kunden und Wettbewerb in fünf Jahren verändern. Drei belastbare Aussagen reichen.

3 · Inhaberfrage

Was die Eigentümer wollen: Rendite, Wachstum, Unabhängigkeit, Übergabe. Ohne das läuft der Rest ins Leere.

4 · Optionen

Drei bis fünf ernsthafte Wege, jeder mit Konsequenzen für Investition, Personal und Risiko.

5 · Entscheidung

Ein Zielbild und die Handlungsfelder, mit denen ihr es erreicht.

6 · Verzicht

Was ihr dafür nicht mehr tut. Der Schritt, der am häufigsten übersprungen wird.

7 · Verankerung

Initiativen mit Namen und Terminen, Anschluss ans Budget, fester Überprüfungsrhythmus.

Wie sieht das bei einem Familienunternehmen konkret aus?

Nehmen wir einen Zulieferer für die Möbelindustrie, vierhundert Mitarbeiter, dritte Generation. Das Kerngeschäft wächst seit drei Jahren nicht mehr, ist aber profitabel.

Schritt 1 zeigt: Achtzig Prozent des Deckungsbeitrags kommen von zwei Kunden, die beide seit Jahren Preisdruck machen. Der Umsatz sagt das nicht, die Deckungsbeitragsrechnung schon.

Schritt 3 zeigt: Die Inhaberfamilie will das Unternehmen in der Familie halten, die nächste Generation ist elf und vierzehn Jahre alt. Damit scheidet alles aus, was in den nächsten zehn Jahren einen Verkauf voraussetzt oder die Verschuldung stark erhöht.

Schritt 4 liefert drei Wege: Rückwärtsintegration in die Vorstufe, Erschließung einer zweiten Branche mit derselben Fertigung, oder Spezialisierung auf Kleinserien mit höherer Marge.

Schritt 6 ist der unbequeme: Die Entscheidung für Kleinserien bedeutet, einen der beiden Großkunden mittelfristig zu verlieren. Das steht nicht gern in einem Strategiepapier, und ohne diesen Satz bleibt die Strategie folgenlos, weil der Vertrieb weiter um Großaufträge kämpft.

Woran erkennst du eine Strategie, die nichts ausschließt?

An drei Formulierungen, die in fast jedem schwachen Strategiepapier stehen:

  • „Wir wollen in allen Segmenten wachsen.“ Das ist keine Entscheidung, das ist die Abwesenheit einer.
  • „Sowohl als auch.“ Wenn zwei Optionen sich widersprechen und das Papier beide nennt, wurde die Entscheidung vertagt.
  • Keine Zahl, keine Zeit, kein Name. Ein Vorhaben ohne diese drei Angaben ist eine Absichtserklärung.

Der schärfste Test ist eine Frage an die Runde: Was tun wir ab morgen **nicht mehr**? Kommt darauf keine konkrete Antwort, ist der Prozess nicht fertig, egal wie dick das Dokument ist.

Wie hängt die Unternehmensstrategie mit den Bereichen zusammen?

Die Unternehmensstrategie legt fest, wo das Geld verdient wird. Die Bereichsstrategien legen fest, was jeder Bereich dazu beiträgt und was er dafür lässt.

Der häufigste Fehler ist, die Bereichsstrategien parallel zu entwickeln. Dann optimiert jeder Bereich sich selbst, und niemand löst die Widersprüche auf. Die richtige Reihenfolge ist: erst die Unternehmensstrategie entscheiden, dann die Bereiche ableiten, dann alle nebeneinanderlegen und die Konflikte klären.

Wie wird sie im Budget verankert?

Indem die drei wichtigsten Initiativen als Posten im Budget des nächsten Jahres auftauchen, mit eigenem Betrag und eigener Verantwortung.

Der Test dafür dauert zehn Minuten: Nimm das Budget und die Strategie nebeneinander. Findest du die Strategie im Budget nicht wieder, wird sie im nächsten Jahr nicht stattfinden — unabhängig davon, wie überzeugt die Runde bei der Entscheidung war.

Häufige Fragen zur Unternehmensstrategie

Was ist eine Unternehmensstrategie?

Sie beantwortet drei Fragen: Wo verdient das Unternehmen in fünf Jahren sein Geld, was lässt es dafür, und woran erkennt es unterwegs den Fortschritt. Eine Sammlung von Zielen ohne die zweite Frage ist eine Wunschliste, keine Strategie.

Wie entwickelt man eine Unternehmensstrategie in sieben Schritten?

Ausgangslage, Umfeld, Inhaberfrage, Optionen, Entscheidung, Verzicht, Verankerung im Budget. Die Reihenfolge ist wichtiger als die Vollständigkeit — wer mit einer fertigen Idee bei Schritt vier einsteigt, holt die ersten drei später teuer nach.

Was unterscheidet Unternehmensstrategie von Geschäftsfeldstrategie?

Die Unternehmensstrategie entscheidet, in welchen Geschäftsfeldern ihr überhaupt tätig seid und wie die Mittel verteilt werden. Die Geschäftsfeldstrategie entscheidet, wie ihr in einem davon gewinnt.

Was ist der Unterschied zwischen Strategie und Leitbild?

Ein Leitbild sagt, wofür ihr steht, und ändert sich selten. Eine Strategie sagt, was ihr in den nächsten Jahren tut, und hat ein Verfallsdatum. Wer beides im selben Dokument behandelt, bekommt meist ein Leitbild.

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