
Vom Rohstoffunternehmen zur KI-Plattform: Die Transformation der Dorfner Gruppe
Vom Rohstoffunternehmen zum KI-getriebenen Innovationsmotor: Die Transformation der Dorfner Gruppe
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird häufig mit großen Tech-Konzernen oder digitalen Plattformen in Verbindung gebracht. Doch dass auch ein über 100 Jahre altes Industrieunternehmen aus der Oberpfalz mit KI sein Geschäftsmodell neu ausrichten kann, zeigt die Geschichte der Gebrüder Dorfner Gruppe eindrucksvoll. In der aktuellen Folge des Podcasts „Hoffnung ist keine Strategie“ sprechen Christian Underwood und Prof. Dr. Jürgen Weigand mit CEO Mirko Mondan darüber, wie aus einem traditionellen Rohstoffunternehmen ein datengetriebener Innovationsmotor entsteht.
Wenn Daten zum strategischen Schatz werden
Viele Unternehmen besitzen Daten – doch nur wenige nutzen sie wirklich strategisch. Bei Dorfner liegt genau hier der Schlüssel der Transformation. Über Jahrzehnte hinweg wurden im Labor Rohstoffe, Mineralien und chemische Eigenschaften in hoher Detailtiefe dokumentiert. Teilweise wurde ein einzelner Rohstoff mit bis zu 50 Parametern beschrieben.
Was lange Zeit lediglich eine präzise Dokumentation war, entwickelte sich mit steigender Rechenleistung und neuen KI-Methoden zu einem echten Wettbewerbsvorteil. Die historischen Laboraufzeichnungen bilden heute die Grundlage für ein eigenes KI-System, das komplexe Zusammenhänge zwischen Materialien, Eigenschaften und Anwendungen erkennen kann. Damit wurde aus einem scheinbar traditionellen Datensatz ein strategischer Datenschatz.
Strategie vor Technologie
Ein zentraler Punkt, den Mirko Mondan im Gespräch betont: Der Einsatz von KI begann nicht mit Technologie – sondern mit Strategie. Zu Beginn stand die Frage, wie sich das Unternehmen langfristig entwickeln soll. Als Rohstoffunternehmen steht Dorfner vor einer natürlichen Grenze: Rohstoffe sind endlich. Ein lineares Geschäftsmodell, das ausschließlich auf mehr Abbau setzt, hätte langfristig die eigene Grundlage gefährdet.
Die strategische Herausforderung lautete daher: Wie kann das Unternehmen wachsen, ohne gleichzeitig seine Ressourcen schneller zu erschöpfen? Die Antwort lag in der eigenen Kernkompetenz – der Rohstoffanalytik und Materialformulierung. Genau hier setzte die KI-Initiative an.
Vom Experiment zur Plattform
Mit Hilfe von Machine Learning begann das Unternehmen, seine Laborprozesse neu zu denken. Früher mussten zahlreiche Experimente durchgeführt werden, um herauszufinden, wie sich unterschiedliche Rohstoffkombinationen in bestimmten Anwendungen verhalten.
Heute kann ein Großteil dieser Experimente digital simuliert werden. Der Effekt ist enorm: Versuchsreihen, die früher mehrere Wochen oder sogar Monate benötigten, lassen sich inzwischen teilweise innerhalb eines Tages durchführen. Diese neue Geschwindigkeit verändert nicht nur interne Prozesse, sondern auch das Wertversprechen gegenüber Kunden. Rezepturen, Anpassungen oder neue Materialkombinationen können deutlich schneller entwickelt und getestet werden.
Nachhaltigkeit durch bessere Entscheidungen
Die Auswirkungen der Transformation gehen weit über Effizienz hinaus. Durch das bessere Verständnis der Materialeigenschaften konnte Dorfner seine jährliche Abbaumenge um rund 40 Prozent reduzieren und gleichzeitig die Reichweite der Rohstoffvorkommen um etwa 20 Jahre verlängern. Das zeigt, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Die Kombination aus Daten, KI und strategischer Klarheit kann helfen, Ressourcen effizienter zu nutzen und gleichzeitig neue wirtschaftliche Potenziale zu erschließen.
Menschen befähigen statt ersetzen
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Transformation ist der Umgang mit den Mitarbeitenden.
Statt KI primär als Automatisierungswerkzeug zu betrachten, entschied sich das Unternehmen für einen anderen Ansatz: Menschen sollten befähigt werden, mit der neuen Technologie zu arbeiten. Dafür wurde ein internes Programm gestartet, in dem Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen über mehrere Monate hinweg KI-Kompetenzen aufbauten – von Programmierung bis hin zu datengetriebenem Arbeiten. So entstand ein interdisziplinäres Team, das die Transformation aktiv mitgestaltet. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel: Ein Malermeister aus dem Unternehmen entwickelte sich im Laufe des Programms zu einem talentierten Programmierer und treibt heute neue Ideen im Bereich KI voran.
Der Mittelstand und seine größte Chance
Die Geschichte der Dorfner Gruppe zeigt ein wichtiges Prinzip für den deutschen Mittelstand: Der größte Wettbewerbsvorteil liegt oft nicht in neuen Technologien, sondern im eigenen Wissen. Viele mittelständische Unternehmen verfügen über jahrzehntelange Erfahrung, tiefes Branchenverständnis und einzigartige Datensätze. Wenn dieses Wissen mit moderner Technologie kombiniert wird, entstehen Lösungen, die für Außenstehende nur schwer kopierbar sind. KI wird damit nicht zum Ersatz für Expertise – sondern zu ihrem Verstärker.
Transformation beginnt im Kopf
Am Ende ist die wichtigste Erkenntnis dieser Transformation vielleicht gar nicht technologischer Natur. Der Wandel begann mit einer klaren strategischen Frage, dem Mut zu experimentieren und der Bereitschaft, Mitarbeitende aktiv einzubinden. Technologie war dabei ein Werkzeug – nicht der Ausgangspunkt. Oder wie Mirko Mondan es im Gespräch formuliert: Strategie kommt vor KI. Für viele Unternehmen liegt genau darin der entscheidende Unterschied zwischen einem Hype und echter Transformation.
SHOWNOTES
Mirko Mondan https://www.linkedin.com/in/mirko-mondan-305245193/
Christian Underwood https://www.linkedin.com/in/christianunderwood/
Prof. Dr. Jürgen Weigand https://www.linkedin.com/in/j%C3%BCrgen-weigand/
StrategySummit 2026 https://www.strategyframe.ai/strategysummit2026
Alle Links https://linktr.ee/strategyframe