Eigentlich ist er ja Porter-Fan. Fasziniert von der makro- und mikroökonomischen Stringenz und den aufeinander abgestimmten Frameworks des US-amerikanischen Strategie-Papstes Michael E. Porter wie 5-Forces, Value Proposition, Value Chain und vieles mehr. Nebenberuflich hat Marco Dalla Bona nach seinem EMBA/MBA sogar Hochschulseminare zu den Ansätzen des berühmten Ökonomen gegeben, auf Basis eines selbst entwickelten Porter-Praktiker-Leitfadens. Aber die Strategie für die Fabromont AG, deren Geschäftsführung er vor zwei Jahren übernommen hat, allein mit Hilfe solcher Modelle erarbeiten? „Das funktioniert nur bedingt für ein mittelständisches Unternehmen wie Fabromont“, sagt der Kunststoff-Technologe und Maschinenbauingenieur. „Ich durfte ja schon einige Male Firmenstrategien aufsetzen und implementieren. Deshalb war schnell klar, dass wir ein Framework brauchen, das zwar wissenschaftlich fundiert ist, aber zugleich schlank und nah an der Praxis ist.“ Dass der Textilboden-Hersteller im schweizerischen Schmitten eine neue Strategie braucht, stand spätestens seit Dalla Bona‘s Amtsantritt 2024 ohnehin außer Frage. Fabromont, 1963 vom Textilingenieur Günter Tesch gegründet, ist zwar seit vielen Jahren erfolgreich mit einem einzigartigen Produkt. Kugelgarn®, gesponnen aus einer Mixtur diverser Fasern, stellt eine eigene Produktkategorie in der Welt der textilen Bodenbeläge dar. Keinem Wettbewerber weltweit ist es bislang gelungen, das patentierte und weitgehend automatisierte Herstellungsverfahren zu kopieren. „Aber die Organisation war zuletzt unter ihren Möglichkeiten geblieben, weil der klare Fokus nicht vorhanden war“, so Dalla Bona.
Für stark frequentierte Räume und Gehkomfort unschlagbar
Von seiner Idee, diesen Fokus mithilfe des StrategyFrames wiederherzustellen, waren Eigner, Verwaltungsrat und die anderen Mitglieder der Geschäftsleitung rasch überzeugt. Den härtesten Moment erlebten die Fabromont-Entscheider dann gleich im ersten Workshop Anfang 2025, als dank einer tiefgreifenden Situationsanalyse die Zahlen auf dem Tisch lagen. „Unsere Marktanteile waren plötzlich nur halb so hoch wie über viele Jahre vermutet“, erzählt Dalla Bona. „Gerade da hat sich gezeigt, wie sinnvoll der Zugriff auf eine digitale `Market Intelligence´ ist, die kontinuierlich aktuelle Marktdaten mit einbezieht. Wir konnten jetzt auf Basis von Fakten anstatt von Annahmen handeln“. Zu diesen Fakten zählt zum Beispiel, dass der Markt für textile Bodenläge bereits seit einiger Zeit stagniert. Dass Privatleute in ihren Häusern und Wohnungen heute meist Holz, Kunststoff oder Stein unter ihren Füßen bevorzugen, fällt für Fabromont zwar kaum ins Gewicht. Wohl aber, dass sich der Trend weg vom Teppich auch bei großflächigen Bürogebäuden, Schulen oder Wohn- und Altenheimen erst langsam umzukehren beginnt. Gerade für diese Einsatzgebiete bringt Kugelgarn® eigentlich die perfekten Eigenschaften mit: Der Bodenbelag ist frei von Fugen, einfach zu reinigen rund langlebig, anders als manch andere textile Lösung absolut hygienisch und absorbiert Lärm zuverlässig über die gesamte Lebensdauer. Marco Dalla Bona: „Für stark frequentierte Räume, in denen der Belag über 20, 30 Jahre halten soll, ist Kugelgarn® auch im Vergleich zu Glattbelägen unschlagbar. Beim Gehkomfort ohnehin, aber genauso, was die Gesamtkosten im Zeitverlauf angeht.“
Zum Innovationsmotor der Branche werden
Teilweise Schwächen im Verkauf und vor allem ein zu ausgeprägtes Denken in Produktkategorien statt in Kundensegmenten, so die Analyse, hatten den Kugelgarn®-Pionier Fabromont allerdings über die Jahre Wachstum gekostet. „Wir waren in vielen Bereichen einfach zu unspezifisch unterwegs“, so Dalla Bona. Darin waren sich sowohl Aufsichtsrat als auch Geschäftsführung und Management im ersten Workshop einig. Ebenso wie in der Beschreibung der ambitionierten Ziele, die das Unternehmen mit der „Fabromont 3.0-Strategie“ erreichen soll: in seinen Kernmärkten in der DACH-Region zur ersten Adresse für textile Bodenbeläge im B2B-Bereich zu werden und sich als Innovationsmotor innerhalb der Branche zu positionieren. Mit einer begeisterten Belegschaft, die in den richtigen Rollen betriebliche Spitzenleistungen erbringt und das Wichtige auf richtige Art und Weise tut. Welche Maßnahmen es für den Weg dorthin braucht, war wenige Monate später Thema des zweiten Workshops. Zwei Tage lang diskutierten Management und alle Abteilungsleiter der Organisation dafür etwa über Innovationen und Recruiting, Digitalisierung und Vertrieb. „Das war schon etwas Besonderes, man hat gespürt, dass das Kräfte freisetzt und das Führungsteam sich freut, einbezogen zu werden,“ erinnert sich Dalla Bona. Im Ergebnis kamen so über 100 Projekte zusammen. Welche Fortschritte sie machen, ob die definierten OKRs erreicht werden, hält seit dem Frühjahr 2026 ein eigenes Projektmanagement-Office nach.
Klarere Segmentierung nach Kundengruppen
Was konkret sich ändert mit der „Fabromont 3.0-Strategie? Zentral ist zum Beispiel eine klarere Segmentierung der Kundengruppen. Immobilien-Abteilungen private und öffentliche Bauherren, Bodenleger, (Innen-)Architekten, Planungsbüros, Facilitymanager und nicht zuletzt die Menschen, die täglich auf den Böden unterwegs sind, haben jeweils eigene Bedürfnisse, die Fabromont künftig gezielter adressieren will. Vor allem in den „Super-Nischen“, wie Dalla Bona es formuliert, Ausschreibungen etwa für Schulen, viel besuchte öffentliche Bauten oder große Büroflächen. „Was genau wünschen sich zum Beispiel Lehrer und ihre Klassen vom Bodenbelag in Schulgebäuden? Was zählt in Altenheimen besonders für welche Gruppe, was auf Schiffen? Wer braucht jeweils welche Argumente, damit wir in Projekten den Zuschlag zu bekommen? Solche Fragen müssen wir vermehrt im System denken – und dann jede Kundengruppe bei ihrem Bedarf abholen“, meint Dalla Bona. Die neue Webseite und ein digitales Kundenportal, beides geplant für Anfang 2027, werden exakt nach diesem Ansatz gestaltet sein. „In großen Bauprojektausschreibungen brauchen Sie alle involvierten Gruppen. Deshalb wollen wir passgenaue Inhalte bieten, für Schulleiter zum Beispiel oder die kommunalen Entscheider.“
Forschung und Entwicklung revitalisiert
Überhaupt investiert Fabromont, früher eher zurückhaltend, jetzt stark in Sichtbarkeit, ist auf Messen und bei Wettbewerben aktiv. Stellt das Unternehmen neue Vertriebs-Mitarbeiter ein, ist ein breites Skillset gefragt: Statt nur über Produktvorteile zu berichten, sollen die Kolleginnen in der Lage sein, fundiert und zugleich empathisch auf die Erwartungen vieler unterschiedlicher Ansprechpartner einzugehen. Das Unternehmen digitalisiert interne Prozesse, modernisiert den Maschinenpark kontinuierlich und beschäftigt sich mit nachhaltigen Innovationen für die Produktion. Vor allem hat Fabromont Forschung und Entwicklung revitalisiert: Die Spezialisten hier arbeiten intensiv an neuen Produkten und Systemlösungen. Mit eigenen Reinigungsmitteln und rückstandsfreien Spezial-Klebstoffen will man den Kunden eine noch bessere Produkterfahrung ermöglichen. Wobei die bereits heute im Branchenvergleich außerordentlich ist: In über 60 Jahren Firmengeschichte gab es noch keine einzige Reklamation, weshalb nicht einmal ein Beschwerdemanagement existiert.
„Für die Unternehmenskultur gibt es nichts Besseres“
„Wir sind jetzt mittendrin in der Strategieumsetzung und merken deutlich, wie motivierend die eindeutige Ausrichtung auch für die Belegschaft wirkt“, erzählt Dalla Bona. In Deutschland, der Schweiz und Österreich ist Fabromont am Markt gut aufgestellt. Wenn sich Chancen ergeben, will Dalla Bona perspektivisch auch europäische Metropolregionen wie Paris und London ins Visier nehmen. Der aktuelle Trend gerade in Großunternehmen, wieder mehr Menschen in die Büros zurückzuholen, dürfte ihm dabei in die Karten spielen. Kugelgarn®, so Dalla Bonas feste Überzeugung, bietet optimale Bedingungen dafür, sich am Arbeitsplatz auch bei Vollbesetzung wohlzufühlen. Jetzt müsse es der Textilboden-Branche nur noch besser gelingen, längst widerlegte Vorurteile gegenüber ihren Angeboten aus den Köpfen manch potenzieller Kunden zu vertreiben. Fabromont jedenfalls fühlt sich bestens gerüstet für neues Wachstum. Marco Dalla Bona: „Strategieentwicklung macht natürlich Spaß. Noch schöner ist es, wenn man sieht, dass die Strategie aufgeht und wir handfeste Resultate erreichen. Für die Unternehmenskultur gibt es eigentlich nichts Besseres.“
Fabromont: Einzigartiges Kugelgarn®
Das Schweizer Familienunternehmen Fabromont ist weltweit bekannt für Kugelgarn®, einen von Gründer Günter Tesch selbst entwickelten textilen Bodenbelag Er gilt als besonders langlebig und pflegeleicht, für das Fertigungsverfahren und die exakte Zusammensetzung hält Fabromont über 200 Patente. Bis heute fertigt das Unternehmen ausschließlich im schweizerischen Schmitten im Kanton Freiburg. Zu den bekanntesten Großprojekten von Fabromont zählt die Ausstattung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main, in der mehr als 67.000 Quadratmeter Kugelgarn® verlegt sind. Für die nachhaltige, aus recyceltem Garn bestehende Produktlinie Kugelgarn Reval® ist der Schweizer Hersteller 2024 mit dem Red Dot Award ausgezeichnet worden. Seit Anfang 2025 leitet Marco Dalla Bona als alleiniger Geschäftsführer das Unternehmen. Dr. Wolfgang Tesch, Sohn des Unternehmensgründers und lange Zeit selbst in operativer Verantwortung bei Fabromont, ist in den Verwaltungsrat gewechselt.

