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Case Study

Acht Regionen, eine Strategie

In den USA gegründet, heute von Deutschland aus in acht Regionen auf der ganzen Welt erfolgreich: Wie Big Dutchman eine Konzernstrategie und acht Regionalstrategien auf einem gemeinsamen Framework aufgebaut hat.

Acht auf einen Streich

Jack und Dick de Witt. Das waren die beiden Geflügel-Farmer, die einst im ländlichen Michigan den Grundstein legten – mit einer automatischen Fütterungsanlage für Hühner. Was mit dem „Big Dutchman"-System in der Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg begann, hat sich über die Jahrzehnte zu einer internationalen, bislang ungebrochenen Wachstumsstory entwickelt: Von Vechta-Calveslage in Niedersachsen aus ist der Agrartechnik-Weltmarktführer in mehr als 170 Ländern weltweit aktiv. Anlagen und Technik für die Geflügel- und Schweinehaltung, für das Stallmanagement, die klimatische Steuerung, die Ernährung der Tiere: das sind die Schwerpunkte von Big Dutchman. Zusätzlich engagiert sich das längst zum Weltkonzern avancierte Familienunternehmen in den Geschäftsfeldern Gewächshaustechnik und Insektenzucht. Ein Hidden Champion also, der sich mitten in den großen Spannungsfeldern der Zeit bewegt – zwischen Landidylle und High Tech, Tierwohl und globaler Ernährungssicherheit, industrieller Produktion im Mega-Format und maßgeschneiderten Lösungen für die traditionelle Landwirtschaft.

Ein Korsett, das Raum für inhaltlichen Austausch schafft

Wie entwickelt man angesichts derart vermeintlich widersprüchlicher Anforderungen eine übergreifende Strategie, die Orientierung für alle schafft? Und ermöglicht unter diesem Dach den Regionen, auf ihre Märkte abgestimmte, eigene Wege zu gestalten? Steffen Bersch, seit Frühjahr 2025 CEO von Big Dutchman, entschied sich für den StrategyFrame als Rahmen für diesen Prozess. „Wir wollten das Thema systematisch angehen und zugleich das Potenzial nutzen, das Künstliche Intelligenz für die Strategiearbeit hat", erzählt Dr. Lina-Sofie von Fricken, Head of ESG & Strategy. Also startete Big Dutchman im September 2025 auf Gruppenebene inklusive Vertretern aus allen Regionen und Zentralfunktionen in die Analysephase mit einem konsolidierenden Strategie-Workshop. Hier diskutierte das Management-Team miteinander entlang des StrategyFrames die Ausgangslage und entwickelte ein gemeinsames Zielbild für die gesamte Unternehmung weltweit. In einer zweiten Runde wurden diese Ergebnisse in die Regionen kaskadiert, um ihre Perspektiven in den einzelnen Analysefeldern, ihren Beitrag zum Zielbild und konkrete Maßnahmen zu berücksichtigen. Die anschließende KI-getriebene Konsolidierung zeichnete schnell und effektiv ein klares Bild: Statt sich auf eine „One size fits-all"-Lösung zu begrenzen, differenziert Big Dutchman klar zwischen innovationsgetriebenen und Volumenmärkten. „Dass der StrategyFrame eine Art Korsett vorgibt, hat uns enorm dabei geholfen, uns aufs Wesentliche zu konzentrieren", sagt Lina. „Interessanterweise ist so durch eine technische Lösung erst der Raum entstanden, in dem wir wirklich in den inhaltlichen Austausch gehen konnten."

Co-Creation als Wert an sich

In einem parallelen Strang durchliefen neben der Gruppe und ihren Regionen auch die zahlreichen Portfoliounternehmen von Big Dutchman den StrategyFrame-Prozess. Der Vorteil: Weil alle Beteiligten, angeleitet vom gleichen Prozess und Framework, derselben Logik folgten, vereinfachte sich die Abstimmung untereinander und auf den übergreifenden Rahmen. Inzwischen ist die Entwicklungsarbeit abgeschlossen, das Big Dutchman-Management hat die Grundlage, um den eingeschlagenen Wachstumskurs systematisch voranzutreiben. Ob ein ähnliches Ergebnis vorliegen würde, wenn externe Unternehmensberater die Strategie im Alleingang entwickelt hätten? Für Lina Sofie von Fricken ist das die falsche Frage. „Im Grunde hatte ja schon der Prozess der Co-Creation einen Wert an sich, weil wir so das Wissen aus dem ganzen Unternehmen nutzbar machen konnten. Das hat unsere Kultur auf jeden Fall gestärkt und mehr Commitment erzeugt, als eine extern erarbeitete Strategie es jemals könnte." Zumal jetzt fundiert aufbereitet ist, was in Grundzügen bereits zum Start klar war: Um weiter an der Spitze zu bleiben, wenn in den Volumenmärkten chinesische Anbieter angreifen und etwa im stark regulierten Europa innovative Wettbewerber aufholen, braucht es jeweils angepasste Rezepte.

Market Intelligence zeigt Vertriebspotenziale

Damit nicht individuelles Bauchgefühl, sondern handfeste, aktuelle Daten die Basis dafür bilden, setzt Big Dutchman auch über den Strategieprozess hinaus auf die Market Intelligence-Lösung von StrategyFrame. In Echtzeit sind darüber zum Beispiel wesentliche Informationen zu den 50 wichtigsten Wettbewerbern, den größten Schweine- und Geflügelproduzenten, den Volumina der einzelnen Märkte und den dort dominierenden Trends abrufbar. Ein Newsfeed gibt zudem Einblick in die neuesten, für die Agrartechnik relevanten Entwicklungen. Martin Prang, als Head of Global Sales Excellence maßgeblich verantwortlich für die Market Intelligence-Einführung, sieht insbesondere für den Vertrieb große Potenziale. „Bislang waren die Marktdaten, die wir verwendet haben, unterschiedlich strukturiert und regional stark fragmentiert. Ob wir sofort reagieren konnten, wenn zum Beispiel ein Wettbewerber irgendwo auf der Welt ein neues Vertriebsbüro eröffnet hat, war also oft Glückssache." In Zukunft könne etwa ein Vertriebs-Verantwortlicher schneller auf einen Kunden zugehen, wenn er von dessen neuem Projekt via Newsflash erfahren habe.

Whitespot-Analysen und automatisierte Newsletter

Whitespot-Analysen zu bislang unerschlossenen Märkten werden unkompliziert möglich, dazu kommen eine stets aktuelle Reports-Bibliothek und automatisierte Newsletter, die Infos zu Ländern oder Fachthemen bündeln. Pro Region, so der Plan, stehen Key User für die Fragen der Kollegen zum Umgang mit Market Intelligence bereit. Etwa 1.000 Vertriebsmitarbeiter weltweit werden so die Chance haben, die volle Power der Künstlichen Intelligenz fürs Geschäft zu nutzen. „Mit Market Intelligence können wir Markt- und Kundenentwicklungen weltweit frühzeitig erkennen und daraus konkrete Chancen für unser Geschäft ableiten", sagt Martin Prang. „So unterstützen wir unsere Vertriebsteams dabei, Kunden gezielt anzusprechen und passende Lösungen für die wachsende Nachfrage nach Protein zu entwickeln." Schweinezucht, Hühnerzucht und die Eierproduktion, angepasst auf die jeweiligen Rahmenbedingungen in den Märkten, werden damit immer wichtiger. Je genauer Big Dutchman in seinen Regionen den Bedarf an Produkten und Systemen dafür identifizieren kann, desto größer ist die Chance, in diesen Märkten an der Spitze zu bleiben.

Handeln aus einer Position der Stärke

Wie es auf Gruppenebene und in den Regionen jetzt konkret weitergeht mit der Strategie? Lina Sofie von Fricken setzt vor allem auf Gespräche, um der Mannschaft weltweit die konkrete Bedeutung für den Alltag näherzubringen. Unter dem Titel BigStep 2030 hat Big Dutchman ein eigenes Programm dafür ins Leben gerufen. Ein Project Management Office in Calveslage hält die Fäden zusammen. „Das Gute ist, dass wir als Unternehmen aus einer Position der Stärke handeln, mit einer führenden Position in einem boomenden Wirtschaftssektor", sagt sie. „Es geht nicht um Abbau oder Kürzungen – das erhöht natürlich die Offenheit intern für Veränderungen." Seinen Wurzeln bleibt Big Dutchman dabei in jedem Fall treu. Die USA etwa, das Land, in dem Jack und Dick de Witt das Unternehmen einst gegründet haben, sollen weiterhin ein zentraler Markt bleiben. Für Premium-Lösungen, die in der kalifornischen Landschaft hoch im Kurs stehen, genauso wie für Farmen in sämtlichen anderen Staaten.

Big Dutchman: Familienunternehmen mit innovativem Mindset

Dass Unternehmen ihren Hauptsitz aus Europa in die USA verlegen, kommt nicht selten vor. Bei Big Dutchman verlief der Weg umgekehrt: Nach der Gründung 1938 bauten Jack und Dick de Witt das Geschäft zunächst von Michigan aus international auf. Josef Mehrpohl, Geflügelwirt in Vechta-Calveslage, stieg Ende der 1950er Jahre erst als Handelsvertreter für den deutschen Markt ein – und führte das Unternehmen später als angestellter Geschäftsführer. Seit seinem Management-Buy-Out 1985 ist Big Dutchman wieder Familienunternehmen. Josefs Sohn Bernd Mehrpohl hat den Betrieb 31 Jahre lang als CEO geführt und leitet seit 2023 den Aufsichtsrat. Heute besteht die Big Dutchman-Familie aus 200 Agenturen in 80 Ländern, 8 regionalen Hauptniederlassungen, mehr als zwei Dutzend Niederlassungen und rund 3.500 Mitarbeitenden. Im Jahr 2025 überstieg der Umsatz der Gruppe erstmals die Marke von 1,5 Milliarden Euro. Big Dutchman hat die Landwirtschaft über Jahrzehnte immer wieder mit innovativen Lösungen geprägt. Mit dem Management-System BigFarmNet etwa war das Unternehmen 2010 Pionier im Markt. Und ist heute mit der Cloud-Lösung BFN Fusion Innovationsmotor bei der Digitalisierung der Branche.